Mittwoch, 2. Juni 2010

Krisen im Busch

Vor einigen Tagen ist in der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ meine Kolumne mit dem Titel „Krisen im Busch“ erschienen.
Ein Jahr Missionarin auf Zeit, weit weg von der gewohnten Umgebung, ein Leben in einer ganz anderen Kultur, neue Menschen, neue Sprache, doch eines bleibt gleich: man selbst, die innere Wirklichkeit und die eigenen Grenzen.
Überall sind es auch „nur” Menschen, mit denen man zu tun hat, vielleicht mit einer anderen Lebenswirklichkeit, anderen vordergründigen Problemen, doch ganz sicher mit ihren menschlichen Schwächen.
Gemeinschaftsleben ist schon eine Herausforderung an sich. Verschiedene Menschen, verschiedene Zugangsweisen, jeder mit eigener Vergangenheit, eigenen Vorstellungen und doch das eine gemeinsame Ziel, Jesus Christus nachzufolgen.
In der Theorie mag das romantisch klingen, in der Praxis ist es harte Arbeit – an sich selbst. So ist es unschwer vorstellbar, dass einem während des Jahres Krisen über den Weg laufen.
Man fragt sich, was man hier eigentlich tut, ob es eine richtige Entscheidung war, ob man ohne das ganze Gemeinschaftszeugs nicht ein besserer Christ sein könnte, usw. Doch eigentlich gipfelt alles in der Frage: Für wen tue ich es?
Manchmal wäre es das Leichteste, alles hinzuwerfen, sein eigenes Ding zu machen, ... Als alles für mich verloren schien, fand ich die Lösung in einer schlichten Entscheidung: Jesus, ich vertraue Dir.

Der Text mag vielleicht nett und leicht klingen, aber manche Erfahrungen hier waren es ganz sicher nicht. Wenn man an einem Tief angelangt ist, dann ist es halt kein Hoch. Als begeisterter Christ ist es nicht leicht mit der nichtchristlichen Seite von christlichen Gemeinschaften konfrontiert zu werden. Es lässt einen mit der Zeit schon mal seinen eigenen Weg in Frage stellen, die Frage nach Sinn und Un-Sinn und vor allem die Frage nach der Wahrheit kommt auf. Was ist Wahrheit? (Joh 18,38) Gibt es sie? Welche Rolle spielt das Evangelium und seine Werte im Gemeinschaftsleben? Hat es überhaupt eine Rolle?

Mit negativen Erfahrungen meine ich jetzt nicht die typischen Probleme/Reibereien aufgrund unterschiedlicher Charaktere, Ansichten, kultureller Hintergründe und sonstiger Ansätze. Nein, ich meine damit wirklich Dinge die Mist sind, die wirklich schief laufen und die mit christlichen Werten/Vorgehensweisen/Verhalten so wenig zu tun haben wie Afrika mit der Antarktis.

All die verschiedensten Erfahrungen hier, gut und schlecht, leicht und schwer, Zeiten des Suchens nach Antworten, des nicht Verstehens und nicht verstanden werdens, haben mich zu dem Punkt gebracht mir meines Fundamentes in meinem Leben noch bewusster zu werden. Warum bin ich hier? Für wen bin ich hier? Wem folge ich nach? Und wen brauche ich dazu? Wie sehr ist mein Leben abhängig vom Leben anderer, von der Meinung anderer, vom Urteil anderer?

In der Kolumne habe ich geschrieben, dass ich die Lösung in einer schlichten Entscheidung gefunden habe. Naja. Einfach war es nicht bis dahin. Doch warum bin ich hier? Es war meine Antwort auf einen Ruf Gottes Ihm zu vertrauen und meiner Sehnsucht in meinem Leben Raum zu geben. Ich bin nicht hier um in den Augen der Menschen gut dazu stehen oder besser oder sonst wie, noch sonst eine Auszeichnung dafür zu bekommen. Ich bin hier weil es meine Antwort auf Gottes Gegenwart in meinem Leben ist, mein Weg mit Ihm, meine Beziehung zu Ihm. Ich habe gelernt (mehr) auf Ihn zu schauen, trotz schwieriger Umgebung zu versuchen in der Wahrheit zu leben, Ihm nachzufolgen, Ihn im Gebet zu suchen. Scho hart manchmal, doch wir wissen…
Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Röm 5,3
Es war eine intensive Zeit u.a. in der Kapelle mit Gott, mit mir selbst, des sich Auslieferns in die Hände Gottes. Jesus, ich vertraue Dir. Du hast alles unter Kontrolle.
In allem Schlamassel können wir uns immer für Gott , für Seine Liebe, für unsere Liebe entscheiden.
Ein paar Wochenenden in Dar haben auch gut getan.
So, genug meiner Reflexionen dazu. Die Zeit war schwer, aber sie war fruchtbar.

Ein Lied, einen Text habe ich in dieser Zeit entdeckt, gut versteckt auf meinem ipod mit dem sehr passenden Titel: I will not forget you. (auch gefunden auf youtube, hier der Link)
Many men will drink the rain, And turn to thank the clouds, Many men will hear you Speak, They will never turn around;

But I will not forget
You are my god my king
With a thankful heart
I bring you my offering
And my sacrifice is
Not what You can give
But what I alone can
Give to you

A grateful heart I give
A thankful prayer I pray
A Wild dance I dance before You
A Loud song I sing, A huge bell I ring
A life of praise I live before you

Many men will pour their gold, And serve a thing that shines, Many men will read your words, They will never change their minds;

But I will not forget...
c.l.a.u.d.i.a - 2. Jun, 21:18

Kopf hoch!

Danke für den tollen Text "I will neyer forget you". Alles Gute für die letzten Wochen!
Claudia

jussy - 2. Jun, 22:25

Danke!

Bald bin ich ja tatsächlich schon zurück. Der Countdown läuft. Freu mich schon auf euch!
Ignaz - 7. Jun, 11:20

Wahrheit

Ein paar Gedanken, die ich kürzlich in einem Buch von Manfred Lütz gelesen habe:
'Was ist Wahrheit?' fragt Pontius Pilatus und die wichtigste Antwort Jesu darauf is - Schweigen. Denn die Wahrheit ist nicht mit Worten definierbar. [..] Man müsse das Schweigen Christi vernehmen, um vollkommen zu sein, behauptet Ignatius von Antiochien. [..] Die Wahrheit enthüllt sich nicht im Gerede, sie ist nicht festzuhalten in einer ausgedachten Ideologie, sondern sie ereignet sich in der Begegnung mit Menschen, für Christen vor allem in der Begegnung mit dem Mensch gewordenen Gott.
Manfred Lütz; "Lebenslust in unlustigen Zeiten" Pattloch Verlag

Alles Liebe Dir!!!

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